Would you like be redirected to the mobile version of our website?

Für die Worte Vielseitigkeit, Neugier und Arbeitseifer gibt es ein Synonym: Nils Landgren. Einst galt James Brown als „hardest working man in showbusiness“, den Titel scheint er nun dem Mann mit der knallroten Posaune vererbt zu haben. Mit seiner „Funk Unit“, seinen Jazz-Balladenprojekten und immer wieder neuen Konstellationen unter eigenem Namen ist er im Schnitt 200 Tage im Jahr unterwegs. Er zählt zu den erfolgreichsten europäischen Jazzmusikern überhaupt und zu den ganz wenigen, die mit Jazz ein breites Publikum, weit über die Szene hinaus erreichen, ohne sich dabei künstlerisch oder persönlich zu verbiegen. Mit seinen eigenen Produktionen erreicht er regelmäßig den German Jazz Award, in Schweden erhielt er 2013 den GRAMMY für sein Lebenswerk und 2012 den Sir George Martin Music Award aus den Händen des legendären Beatles-Produzenten. Er stand mit ABBA im Studio und ist Mitglied der aktuellen CRUSADERS Besetzung.
Daneben ist Landgren als Produzent und Talentscout gefragt. Er vermittelt sein Knowhow an Studenten in Hamburg und Shanghai, berät die NDR Big Band, steht der vielseitigen schwedischen Bohuslän Big Band vor. Außerdem ist er gefragter Festivalleiter, bis 2011 beim JazzFest Berlin und seit 2012 beim JazzBaltica Festival. Mit seinem Projekt „Funk for Life“ setzt er sich, zusammen mit Ärzte ohne Grenzen, für die musikalische Ausbildung afrikanischer Kinder und Jugendlicher ein.
Kurz: Nils Landgren ist ein Rastloser, ein Getriebener und dabei zugleich immer unerschütterlich positiv, tiefenentspannt und gut gelaunt. Er sagt: „Selbst wenn ich mich nicht langweile, ist es gut für mich, mehrere Dinge anzugehen – damit ich verschiedene Blickwinkel einnehmen kann. Denn die bewirken, dass sich die Art meines Singens und Posaune-Spielens ändert. Und davon profitiert auch mein Publikum.“
Für die, die ihm musikalisch seit Jahren die Treue halten, wird es nie langweilig. Sie bekommen es bei Nils Landgren mit einem Mann zu tun, der sich der reichen Folklore-Tradition seines Landes genauso verpflichtet fühlt wie dem bisher Ungehörten. Sie lauschen einem Idealisten, der die Grenzen zwischen den Genres ignoriert, der auf eigenen Werken mit Musikern wie Maceo Parker, Colin Towns, den Brecker Brothers, Airto Moreira, Till Brönner, Roy Hargrove, Fred Wesley, Steve Gadd, Richard Galliano, Michael Wollny, Joao Bosco, Benny Anderson (von ABBA), Viktoria Tolstoy, Joe Sample, Ray Parker Jr., Eddie Harris oder Esbjörn Svensson gemeinsame Sache machte und so seinen Horizont ständig erweiterte.

Früh ist er zur Musik gekommen. Als Sechsjähriger, Alptraum aller Eltern, begann er Schlagzeug zu spielen. Mit 13 fand der 1956 in Degerfors, Värmland, im Sternzeichen Wassermann geborene Nils Landgren dann seine Bestimmung: Er wechselte an die Posaune. Zwischen 1972 und 1978 erarbeitete sich an verschiedenen Lehranstalten eine gesunde klassische Basis. Die erworbenen technischen Fertigkeiten am Zug-Instrument setzte er bald schon in ganz anderen musikalischen Gefilden ein: Begegnungen mit dem Folk-Jazz Pionier Bengt-Arne Wallin und dem Posaunisten Eje Thelin beschleunigten seinen musikalischen Richtungswechsel. Auch ein Ortswechsel stand an: Nils Landgren zog nach Stockholm und wurde dort binnen kurzer Zeit zum Mann für alle Fälle, zum Unikum, das sich in fast jedem stilistischen Umfeld hervortat, zum Studiocrack. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn, als er 1981 als Lead-Posaunist für das „Ball of Fire“-Projekt des legendären Thad Jones engagiert wurde. „Nach dem ersten Abend wollte ich nur noch nach Hause“, lacht Landgren. Doch Herausforderungen wie die mit Jones haben aus ihm einen vollkommenen Musiker gemacht, einen, der heute keine Angst vor neuen Aufgaben zeigt. Nur her damit.