Möchten Sie zur mobilen Version unserer Webseite weitergeleitet werden?

Jazztage Dresden 2012

FREITAG / 02. NOVEMBER 2012 / 20:30 Uhr

Spielstätte Societaetstheater

Seit dem 17. April steht Jasmin Tabatabai als Preisträgerin des ECHO Jazz in der Kategorie "Sängerin des Jahres national" fest. Wir gratulieren Jasmin ganz herzlich und sind stolz nach Céline Rudolph (Sängerin des Jahres national – 2010) wieder eine Inhaberin dieses tollen Preises zu den Jazztagen Dresden begrüßen zu können.

Als Jazzsängerin bringt Jasmin Tabatabai deutschsprachige Klassiker in Jazz-Bearbeitungen auf die Bühne, wie jenes "Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?" aus der musikalischen Komödie "Eine Frau, die weiß, was sie will" des österreichischen Operettenkomponisten Oscar Straus, die eine aussergewöhnliche Strahlkraft entwickeln. In der Live-Besetzung im Jazz-Quintett klingen diese Lieder puristischer als in den opulenten Orchester-Bearbeitungen der aktuellen CD "Eine Frau". Die Arrangements der Studio-Aufnahmen und diejenigen der Konzerte verhalten sich zueinander wie Farb- und Schwarz-Weiß-Fotografien.
Der Verzicht auf die große Palette der Klangfarben verstärkt die Kontraste, schärft den Blick fürs Wesentliche und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Schattierungen der Stimmung zwischen den lichten und düsteren Momenten des Lebens: "Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick, / die Braue, Pupillen, die Lider - / Was war das? vielleicht dein Lebensglück ... / vorbei, verweht, nie wieder." Diese Verse aus dem Gedicht "Augen in der Groß-Stadt" von Kurt Tucholsky lässt Tabatabai in der Schwebe zwischen Singen und Sprechen.
Im CD-Booklet sind bei den einzelnen Liedern und Chansons zunächst die Texter verzeichnet, dann die Komponisten. Und sie scheinen auch für Tabatabai und Klein an erster Stelle zu stehen. Die Musik stellt sich in den Dienst der Texte, um auch die Zwischentöne zwischen den Zeilen wirken zu lassen und ab und zu auch eine kleine Zweideutigkeit. Manchmal deutet Tabatabai ein Chanson auch um, was sie davor bewahrt, ihre Version dem Vergleich mit denen der großen Vorbilder auszusetzen. So klingt bei ihr Hollaenders "Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre" nicht mehr selbstironisch frivol wie bei Marlene Dietrich oder Hildegard Knef, sondern in seiner Einsamkeit nur noch abgrundtief traurig.