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Mit begeisternden Trommeltänzen, erdigen Rhythmen und wunderbarem dreistimmigen Gesang repräsentieren die Wagogo Queens of Drums eine lebendige, unverfälschte Musikkultur, die ihresgleichen sucht. Die Wagogo sind eine matrilineare Gesellschaft in der sich Individuen über die mütterliche Abstammungslinie definieren und Frauen mehr Gestaltungsmacht haben als in patriarchalischen Strukturen. Das hört man auch an ihrem Spiel auf den Trommeln!

Der Grund-Puls wird von zwei Frauen mit kleinen sanduhrförmigen Trommeln gehalten, was einen besonderen Effekt ergibt bei triolischen Rhythmen, denn auch diese Figur wird von zwei Trommlerinnen zahnradmäßig gehalten. So ist eine polyrhythmische Struktur gegeben. Über dem Grundpuls werden durchstrukturierte Beats geschlagen. Die Frauen springen in unterschiedliche Positionen und markieren so Abschnitte und Übergänge. Schnelle und ruhige Teile wechseln ab. Die verschiedenen Stücke sind durch Gesang verbunden.

Die besondere Harmonik der Wagogo verleiht dem mehrstimmigen Gesang eine besondere Schönheit. Wer genau zuhört wird merken, dass sich alle verwendeten Töne aus Obertönen zu einem Grundton herleiten lassen. Apropros Singen, wie Rüdiger Oppermann berichtet, singen die Frauen wortwörtlich wirklich den ganzen Tag: "Wir gehen zum Essen - sie besingen das Essen. Wir steigen in den Tour-Bus - sie besingen den Bus. Wir geben ihnen Schuhe, sie besingen die Schuhe... Dabei kommen die Frauen aus einem bitterarmen Land mit einem Pro-Kopf-Einkommen von unter 300 Dollar im Jahr. Doch sie sind fröhlich und singen ununterbrochen..." Es ist diese Unmittelbarkeit, die das Publikum tief anrührt und eine Sehnsucht hervorruft, weil uns der Zugang zu diesen Gefühlen oft verloren gegangen ist.  

In ihrem Heimatdorf, im zentralen Hochland Tanzanias, spielt Musik eine wesentliche Rolle. Es gibt dort ein Musikhaus, in dem sich abends nach Sonnenuntergang nahezu alle versammeln. Statt fernzusehen oder Radio zu hören wird dort musiziert. Musiknächte können viele Stunden andauern. Nur so ist die ungewöhnliche Präzision und Spielfreude erklären. Es steckt andauerndes Üben und tägliche Praxis dahinter. Diese Menschen sind geradezu süchtig nach Musik, es ist ihr Lebenselexier.

Und natürlich dürfen da auch Männer mitspielen - aber nicht auf den Trommeln, die sind den Frauen vorbehalten.