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Filmorchester Babelsberg [d]

Mit weit über 1.000 Konzerten und Fernsehauftritten blickt das Filmorchester Babelsberg auf eine lange und erfolgreiche Bühnengeschichte zurück. Zu den Aufführungsorten zählen unter anderem die Academy of Motion Pictures Arts and Sciences in Los Angeles, Konzerte in indischen Großstädten wie Mumbai, Kalkutta, Neu-Dehli mit der Musik des Oscar-Preisträgers A. R. Rahman und Film-Live Konzerte im Londoner Barbican Centre, der polnischen Nationaloper Warschau sowie der Philharmonie und Waldbühne Berlin. Jährliche Events wie das »Classic Open Air« am Berliner Gendarmenmarkt, die Elblandfestspiele Wittenberge oder das Sommerfest des Bundespräsidenten und der Landesregierung Brandenburg sind Teil des regelmäßigen Spielplans. Auch bei Fernsehgalas oder Preisverleihungen wie der Goldenen Henne, der Bambi-Verleihung oder dem deutschen Filmpreis ist das 'Orchester regelmäßig zu Gast. Es besteht derzeit aus einer sinfonischen Grundbesetzung und wird nach Bedarf mit zusätzlichen Musiker:innen jeglicher Genres erweitert.

UFA
Die Wurzeln des Deutschen Filmorchesters Babelsberg reichen zurück bis ins Jahr 1918, als die Universum Film AG (UFA) in Babelsberg mit dem UFA-Sinfonieorchester das erste Filmorchester Deutschlands gründete. Die Anfangszeit dieses UFA-Sinfonieorchesters war geprägt durch die musikalische Begleitung legendärer Stummfilme wie Fritz Langs »Metropolis« (1926), Carl Mayers »Das Kabinett des Dr. Caligari« (1920) und Walter Ruttmanns »Berlin, Symphonie einer Großstadt« (1927). Durch die Einführung des Tonfilms und der Notwendigkeit, dem neuen Format zu entsprechen, wurde das UFA-Sinfonieorchester im Jahr 1932 modifiziert. In der Folgezeit entstanden unter seiner Mitwirkung Meilensteine der Filmgeschichte wie Joseph von Sternbergs »Der blaue Engel« (1930), Wilhelm Thieles »Die drei von der Tankstelle« (1930) oder »Die Feuerzangenbowle« (1944) von Helmut Weiss. Im Zuge der Erfolgswelle der Revue- und Musikfilme der 30er Jahre und ihrer Stars wie Marlene Dietrich, Lilian Harvey, Zarah Leander, Marika Rökk, Hans Albers, Johannes Heesters oder Heinz Rühmann wurden zahlreiche UFA-Schlager vom Orchester eingespielt und produziert, darunter die Welthits »Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n« oder »Kann denn Liebe Sünde sein«. Maßgeblich prägten diese Zeit neben dem Komponisten Michael Jary vor allem Franz Grothe (»Sing mit mir«), Friedrich Hollaender (»Ich bin die fesche Lola«) oder Werner R. Heymann (»Ein Freund, ein guter Freund«).
DEFA
Das Orchester überstand die Zeit des Zweiten Weltkriegs nahezu unbeschadet und konnte bereits 1946 mit Gründung der Deutschen Film AG (DEFA) seine Arbeit am alten Standort in Babelsberg als studioeigenes Orchester der DEFA-Musikabteilung fortsetzen. In der Nachkriegszeit entstanden hier unter Mitwirkung des nunmehr DEFA-Sinfonieorchesters Filmklassiker wie Wolfgang Staudtes »Die Mörder sind unter uns« (1946) und Erich Engels »Affaire Blum« (1948). Nach Ausgründung des selbstständigen DEFA-Studios für Spielfilme 1952/53 wurden bis zum Verkauf der Studios im Jahre 1989 nahezu alle Produktionen mit dem DEFA-Orchester eingespielt, darunter Heiner Carows »Die Legende von Paul und Paula« (1973), Peter Schamonis »Frühlingssinfonie« (1983) sowie alle Folgen der TV-Serie »Polizeiruf 110«. Zu den bedeutendsten Filmkomponisten der DEFA zählt unter anderem Karl-Ernst Sasse, der in der Zeit von 1958-1964 auch die Leitung des Orchesters wahrnahm und in der Folgezeit über 500 Film- und Fernsehmusiken komponierte, auch zu den zahlreichen Indianer- und Märchenfilmen der DEFA. In den folgenden Jahrzehnten bereicherte die kontinuierliche Zusammenarbeit mit so bekannten Filmmusikkomponisten wie Peter Gotthardt, Günther Fischer, Manfred Rosenberg oder Bernd Wefelmeyer das Spektrum des Orchesters.
DFOB
ach der Liquidation der DEFA-Studios waren das Orchester und seine Musiker zwischenzeitlich Teil der Brandenburgischen Philharmonie Potsdam, bis es sich 1993 auf Eigeninitiative in seiner heutigen Form unter dem Namen »Deutsches Filmorchester Babelsberg« neu gründete und seither die Tradition seiner Vorgänger fortsetzt. Seit dieser Neugründung führt das DFOB zwei überaus erfolgreiche Geschäftsbereiche: zum einen die Produktion von Film- und Fernsehmusiken sowie Tonträgern, zum anderen eine umfangreiche Konzerttätigkeit mit Film-Live-Konzerten, Filmmusik-Programmen, Gastspielen und Tourneen von Klassik bis zu Crossover-Projekten. In der Zeit von 1993 bis 2007 hatte das DFOB seinen Sitz auf dem ehemaligen Rundfunkgelände in der Berliner Nalepastraße. Hier entstanden in den eigenen Studios rund 400 Soundtracks zu nationalen und internationalen Film- und TV-Produktionen sowie über 80 CD-Produktionen. Im Dezember 2007 ist das DFOB wieder zu seinen Wurzeln an die alte Wirkungsstätte zurückgekehrt, indem es seine neuen Räume für Proben, Aufnahmen und Studios auf dem traditionsreichen Gelände der Babelsberger Filmstudios bezogen hat. Zu diesem Zweck wurde das ehemalige Studio A, das Anfang der 30er Jahre für das damalige UFA-Filmorchester errichtet worden war, restauriert und sowohl technisch als auch akustisch auf den derzeit international führenden Standard gebracht. Damit sind sowohl das Orchester als auch die Scoring Stage neben den Babelsberger Studios, dem Filmpark Babelsberg, dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sowie der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF wieder fester Bestandteil der Medienstadt Potsdam-Babelsberg.