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Arezoo Rezvani - Santur

Die aus dem Iran stammende Musikerin ist nicht nur eine herausragende Solistin auf der Santur (ein 72-saitiges Hackbrett) sie hat auch eine bewegende Geschichte zu erzählen. "Das mit der Santur und mir war eigentlich ein Unfall. Mit 18 wollte ich unbedingt ein Instrument lernen, und mein Vater willigte ein, aber es sollte nicht zu teuer sein." Über die Vermittlung eines Cousins kam sie an ein preiswertes Exemplar und war sofort Feuer und Flamme.

"Ich habe jeden Tag acht Stunden im Keller gesessen und geübt. Und mein Vater dachte sich: Was passiert da eigentlich mit meiner Tochter?" Nach neun Monaten gab sie ihr erstes Konzert und spielte bereits Literatur für Fortgeschrittene. Der Weg zur Musikhochschule war vorgezeichnet ...

Die Santur ist sicherlich eine der verfeinerten Varianten aus der weltweit existierenden Hackbrettfamilie. "Die ersten Schritte sind leicht, aber nach ein paar Monaten merkt man, dass sie schwieriger zu beherrschen ist als andere Instrumente" sagt Rezvani. "Allein das Stimmen ist Mathematik, Santurspieler brauchen viel Geduld. Und die Kunst ist, die Sensibilität vom Kopf über die Hämmerchen auf die Saiten zu übertragen, da man ja nicht direkt mit den Fingern spielt."

Nur wenige wirkliche Meister gibt es im Iran, wie zum Beispiel Rezvanis Lehrer Ardavan Kamkar. In der klassischen persischen Musik wird die Santur eingesetzt, man kann mit ihr aber auch zum Tanz aufspielen, in einem eher volkstümlichen Kontext. Arezoo Rezvani ist nicht die einzige Frau an der Santur, aber auf diesem hohen professionellen Level dürfte sie führend sein.

Und genau damit fingen die Probleme an: "Ich komme aus Isfahan, in der Stadt hat die Religion Priorität. Alles, was mit Frauen in der Musik zu tun hat, ist mit Verboten belegt. Sie dürfen Konzerte im privaten Rahmen geben, wenn sie unter sich sind. Aber eine Frau auf der öffentlichen Bühne, egal, ob solo, ob in einem Frauenensemble oder mit Männern, das ist unmöglich."

Allein der Unterricht wurde ihr gestattet, darüber hinaus glich ihre Karriere einem täglichen Kampf. Ganz allein organisierte sie Konzerte mit Frauenensembles, versuchte die Behörden zu gewinnen, doch am Ende stand stets das Verbot. Um ihre Musik spielen zu können, musste sie permanent sechsstündige Fahrten ins etwas liberalere Teheran in Kauf nehmen, wo es aber auch Restriktionen gab. Da sie mit Künstlern des Staatsfeindes Israel auf der Bühne war, fing man an, sie zu beobachten und zu dransalieren. "Meine Musik starb", sagt Rezvani, und entschloss sich zu einer Übersiedlung. "Ich wollte frei sein ..." (aus einem Interview der Badischen Zeitung)