Leonid Chizhik - Piano
Ein genialer Grenzgänger zwischen Klassik und Jazz ist der russische Pianist Leonid Chizhik, der zu Zeiten des kalten Krieges amerikanischen Kritikern als bester Jazzpianist hinter dem Eisernen Vorhang galt. In seinem berühmten Buch „Red & Hot. The Fate of Jazz in the Soviet Union“ beschreibt Frederick Starr Leonid Chizhik als eine „glückliche Mischung der atemberaubenden Schnelligkeit eines Art Tatum und der Sensibilität eines Teddy Wilson“.
Leonid Chizhik, der bei der staatlichen Konzertagentur Gosconcert neben Künstlern wie Svjatoslav Richter und Emil Gilels höchste Priorität genoss, wurde zu Sowjetzeiten fünfmal die Ausreise zum renommierten Newport-Jazzfestival in den USA verweigert. Seine Auslandsauftritte waren trotzdem zahlreich und spektakulär. Ob beim Festival Sao Paolo, wo er mit Herbie Hancock spielte, beim Berliner Jazzfest oder vor überwiegend klassischem Publikum in der Züricher Tonhalle, Münchner Gasteig oder bei den Ludgwigsburger Schlossfestspielen – stets versetzte Chizhik sein Publikum in Staunen.
Geseko von Lüpke (Süddeutsche Zeitung) beschreibt treffend das opulent-irritierende Zwitterphänomen Chizhik: „Wenn Kritiker versuchen, seine Musik begrifflich zu fassen, dann muss das gesamte Pantheon der Pianisten herhalten: ob Schostakowitsch oder Keith Jarrett, Prokofjew oder Art Tatum, Skrjabin oder Duke Ellington. Chizhik steht jenseits der Synthese, er zitiert nicht Vorbilder, sondern schöpft mit technischer Brillanz aus der Geschichte des Klangs.“
